Jugendberufsbildung  

Jugendberufsbildung


Niedriges Bildungskapital, belastender sozialer Hintergrund, begrenztes soziales Netzwerk und Desintegration sind die Hauptursachen
für berufliche Perspektivlosigkeit und Jugendarbeitslosigkeit junger Menschen mit Migrationshintergrund in Korntal-Münchingen.
Viele dieser Jugendlichen haben zwar eine durchaus realistische Vorstellung von einem eigenständigen und unabhängigen Leben, sehen aber keine Möglichkeit, dieses zu realisieren, da ihnen oft der Zugang zu einer gesicherten Erwerbstätigkeit fehlt.
Oft geht ihr Weg nach Abschluss der Schule in eine berufliche Qualifizierungsmaßnahme oder ein Ausbildungsförderprogramm, letztendlich nur in eine schulische Anschlussveranstaltung, nicht aber in eine Erwerbstätigkeit.

Derzeit finden nur noch 10% der Hauptschulabsolventen einen Ausbildungsplatz auf dem ersten Arbeitsmarkt. Förderschüler haben zwischenzeitlich keine Chance mehr, ohne weitere langjährige schulische Maßnahmen auch nur annähernd eine berufliche Perspektive zu entwickeln. Dem harten Konkurrenzkampf mit Realschulabsolventen und sogar mit Abiturienten um die begrenzte Anzahl von Ausbildungsplätzen, die auch für die Zukunft eine berufliche Perspektive bieten, sind bildungsbenachteiligte Jugendliche nicht mehr gewachsen.

Diese Entwicklung spiegelt sich auch als Tendenz in der kommunalen Jugendarbeit der Stadt Korntal-Münchingen wider. So ist der Bedarf im Bereich der Einzelfallhilfe weiter gestiegen. Zum Einen erwarten hier die Jugendlichen ganz praktische Unterstützung bei der Anfertigung der Bewerbungen, oft verfügen sie über keinen PC, keine ausreichenden Sprachkenntnisse oder können sich die Ausdrucke, Bewerbungsmappen und das Porto finanziell nicht (mehr) leisten. Zum Anderen suchen sie soziale Unterstützung, die sie in ihren schwierigen Lebensbezügen respektiert, fördert und motiviert auf ihrem Weg zu einem eigenverantwortlichen, selbstbestimmten Leben.
Dies geschieht über das soziale Engagement von qualifizierten Erwachsenen, die sich dazu bereit erklären, einen Jugendlichen im Übergang „Schule-Beruf“ über einen Zeitraum von 3 Jahren zu begleiten. Die ehrenamtlichen Bildungspaten/Bildungspatinnen werden ihrerseits wieder von Fachkräften aus der Schule sowie der Jugendarbeit unterstützt und durch regelmäßige Fortbildungen sowie reflektierte Arbeitstreffen geschult.

Diese prekäre Entwicklung im Übergang von der Schule in den Beruf definiert die soziale Verantwortung gegenüber jungen Menschen. Neben der Aufgabe, bildungsbenachteiligte Jugendliche im Augenmerk von Betrieben zu halten, besteht die zweite Aufgabe darin, diese Jugendlichen mit einem sozialen und emotionalen Kapital auszustatten, das es ihnen ermöglicht, in ihrer schwierigen Lebenssituation erfolgreiche Lebenskonzepte zu entwickeln. So haben verschiedene Untersuchungen gezeigt, dass soziales Engagement die Berufs- und/oder Ausbildungschancen bildungsbenachteiligter Jugendlicher deutlich verbessert. Der Beistand durch gebildete, verantwortungsvolle, beruflich integrierte Erwachsene wirkt sich stabilisierend auf die schwierige Lebenssituation benachteiligter Jugendlicher aus und bietet ihnen somit eine echte Chance des sozialen Aufstiegs, die ihnen ihr eigenes soziales Umfeld, vornehmlich ihre Eltern, aufgrund der eigenen Desintegration nicht ermöglichen können. Die soziale Qualifizierung aber ist eine Voraussetzung für ein selbständig geführtes, gelingendes Leben.

   
| Sonntag, 11. Dezember 2016 || |